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Die „GfBH“ (Gemeinschaft für Bild Er Halt) Ein Interview von Gottfried Bohumil mit der GfBH Gottfried Bohumil (GB): Ihr seid zwei Individuen, präsentiert Euer künstlerisches Ergebnis jedoch unter dem gemeinsamen Label „GfBH – Gemeinschaft für Bild Er Halt“. Es widerstrebt Euch, Euer gemeinsames Zusammenspiel dabei auseinander zu dividieren. Setzt Ihr hiermit nicht den Mythos vom einsamen Künstler als „schöpferisches Genie“ außer Kraft? GfBH: Jede Zeit erfindet ihre eigenen Worthülsen. Die Existenz der einsamen Elfenbeinturmkünstler ist eine verstaubte Fiktion. GB: Hierzu kommen mir folgende Verse von Rainer Maria Rilke in den Sinn: „Wir ahnten es zwar, doch ist es uns niemals vielleicht so deutlich aufgezeigt worden, dass das Wesen der Liebe nicht im Gemeinsamen läge, sondern darin, dass einer den anderen zwingt, etwas zu werden, unendlich viel zu werden, das Äußerste zu werden, wozu seine Kräfte reichen.“ Um damit auf Euch zurückzukommen: Kann es in einem derart engen Zusammenleben und Zusammenarbeiten, wie Ihr es pflegt, genug Freiraum für jeden von Euch geben, um ein individuelles Wachsen nicht zu gefährden, um auszu-schließen, dass der Eine nur das Echo des Anderen bleibt? GfBH: Voraussetzung ist in erster Linie die Toleranz, den Anderen „lassen“ zu können. Darin liegt die Chance, neue Wahrnehmungsräume zu durchschreiten und eigene Wahrnehmungsräume zu erweitern. Das schöpferische Zusammenwirken setzt aber nicht nur die Wahrung der Individualität unbedingt voraus, sondern auch die Dialogbereitschaft. GB: In der Publikation „Liebe Macht Kunst – Künstlerpaare im 20. Jhd.“ (hrsg. 2002, Böhlau Verlag), entwickelt die Kunsthistorikerin Dr. Carola Muysers u. a. für Euer künstlerisches Zusammenwirken das Modell des „Siamesischen Zwillings“. Sie kommt zu der Schlussfolgerung, dass gerade das „Miteinanderverwachsensein“ einen klaren und bewussten Umgang mit Lebenssituationen erfordert, der sich auf die künstlerischen Projekte auswirkt und eine programmatische Arbeits- u. Lebensführung bedingt. GfBH: Durch genaues Hinsehen wird sofort klar, dass die Autorenschaft der einzelnen Bildelemente problemlos zugeordnet werden kann, denn wir verheimlichen sie ja nicht. Gerade bei eineiigen Zwillingen ist jedoch die Unterscheidung äußerst schwierig, also bliebe nur die Variante der zweieiigen Zwillinge. Nein, wir wollen Sie nicht auf den Arm nehmen, aber das Sinnbild des Zwillings ist vielleicht insofern nützlich, als dass zwei geistig verwandte und dennoch gänzlich unterschiedliche Menschen den gemeinsamen Blick auf ein Thema richten, dass sich ganz langsam zu einem Bild entwickeln muss. Und das Verwachsensein meint hier den unbedingten Willen, zu einer Bildfindung zu gelangen. Unsere Zusammenarbeit ist kein Programm, denn dies könnte schnell zur Schablone werden. Und da sich der Raum und die Bedingungen permanent verändern, passt die Schablone nach kürzester Zeit nicht mehr. Unsere Zusammenarbeit hat sich durch die Benennung der einzelnen malerischen Merkmale ergeben, also durch Sprache. Plötzlich hatten wir den Eindruck, dass sich unsere gegensätzlichen Positionen ergänzen könnten. Ein Gründungsdekret, eine spielerische Grund-, An- und Vorsatzerklärung haben wir verfasst, in der die GfBH anstrebt, „der Überflutung von Reizbildern entgegenzuhalten, fremde Zweckbestimmungen aus den Bildern herauszunehmen und die Annahme zu korrigieren, dass Teil- und Splitterbilder… Ausschließlichkeitscharakter aufgrund wirtschaftlicher Indienstnahme besitzen“… „In diesem Sinne sieht die GfBH ihrer zukünftigen Zu-sammenarbeit mit vitalem Bild Er Halt-Trieb erwartungsvoll entgegen.“ GB: Euer Themenspektrum ist sehr breit gefächert. Der erste gemeinsame Katalog zeigt ausschließlich schwarz/weiße Arbeiten, in denen neben Malerei und Fotografie Texte einen breiten Raum einnehmen. GfBH: Allen Themen haftet der Gedanke an, dass die Mehransichtigkeit bzw. die Gleichzeitigkeit mehrerer Gedankengänge, dargestellt durch das Einsetzen unter-schiedlicher Mittel, die Dinge so in Schichten zerlegt und miteinander neu verknüpft, dass eine eindeutige Aussage nicht mehr möglich erscheint. Der feste Boden unter den Füßen schwindet immer mehr, so dass das „Wirkliche“ durch eine andere Wahrnehmungsebene zersetzt wird und droht, nicht mehr erkennbar zu bleiben. Gleich in unserem Gründungskatalog heißt es in einem Bild …“raumgedrehter Blick, gestaucht und gefügt“…, was wohl zu der Arbeit „X-Mal“ geführt hat, in der wir alle uns wichtigen Bildtafeln, Bildträger wie Malerei, Fotos, Zeitungsausschnitte, Texte, ja sogar eine leere Pappe mit einem X versehen haben, um die Gültigkeit des Dargestellten in Frage zu stellen. GB: Eure künstlerische Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf den eigenen Dialog. Nicht nur in Eurer Malschule „MAL-grund“ führt Ihr den Dialog über Dritte - die Schüler - weiter, sondern auch in der Arbeit mit psychisch kranken Menschen. GfBH: Die Gültigkeit des Realen zu befragen haben wir konkret in der „X-Mal“ Arbeit thematisiert, ohne zu ahnen, dass wir sieben Jahre später auf einem viel direkteren Wege mit völlig anderen Realitätsebenen konfrontiert werden. Seit 2004 betreuen wir beim Diakoniewerk für Sozialpsychiatrie in Duisburg eine Malgruppe, die „MALzeit“, Menschen mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen, die über eine ganz andere Wahrnehmung verfügen, in der das Reale vom Zwanghaften, Psychotischen, Wahnhaften überlagert wird, das in die Bilder einzieht und sie eben so besonders macht. GB: Ich danke Euch sehr für das Gespräch und wünsche Euch außer Bild Er Halt auch Bilder-Trieb und alles Gute für die Zukunft. |
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